Auftragseingänge mit spektakulären Plus im November
Die deutschen Auftragseingänge haben im November einen unerwarteten Schub von 5,6% erfahren (im Vergleich zum Vormonat). Der Konsensus hatte stattdessen mit einem markanten Minus gerechnet (-1,0%; Bantleon: +0,5%). Mithin handelt es sich bereits um das dritte Plus in Folge. Im 3-Monats-Vergleich addiert sich der Anstieg mittlerweile auf +9,6%, was einer der größten Orderschübe der vergangenen Jahre darstellt (vgl. nachfolgende Abbildung). Großaufträge spielen dabei eine maßgebliche Rolle, aber auch unter deren Ausklammerung ergibt sich im 3-Monats-Vergleich eine Zunahme von fast 5%.

Sektoral verwundert es nicht, dass der entscheidende Rückenwind vom »Sonstigen Fahrzeugbau« ausgeht, der neben Flugzeugen, Schiffen und Zügen auch Militärfahrzeuge umfasst. Hier haben sich die Orders über die vergangenen drei Monate mehr als verdoppelt (November: +12,3%, Oktober +86,6%, vgl. nachfolgende Abbildung links). Aber auch einige andere Branchen – unter anderem Metallherstellung und Technologie-Sektor – verzeichneten zuletzt deutliche Zuwächse und befinden sich im Aufwind (vgl. nachfolgende Abbildung rechts). Im November wiesen überdies selbst die Problembranchen Fahrzeugbau (+0,8%), Maschinenbau (+3,7%) und Chemie (+0,3%) ein Plus aus.


Angesichts der Branchenstruktur überrascht es auch nicht, dass derzeit vor allem die Inlandsorders dynamisch expandieren (+15% über die letzten drei Monate) und die hier bis Mitte 2025 beobachtbare Schwäche endgültig überwunden ist (vgl. nachfolgende Abbildung). Immerhin sind aber auch die Auslandsorders zuletzt nach oben gerichtet (+5,7% im 3-Monats-Vergleich).

Deutsche Konjunktur im Aufwind
Alles in allem kommt die Wende in der deutschen Fiskalpolitik immer deutlicher in der Auftragsstatistik zum Tragen. Wir haben stets darauf hingewiesen, dass mit Blick auf das Fiskalpaket Geduld gefragt ist. Gebremst wurde die Entfaltung lange Zeit durch die »vorläufige Haushaltsführung« (der Bundeshaushalt wurde erst im Oktober 2025 endgültig verabschiedet). Die ersten Rüstungs- und Infrastrukturprojekte konnten mithin erst vor Kurzem lanciert werden – und viel mehr wird noch folgen. Insgesamt sind in den nächsten Quartalen öffentliche Ausgabensteigerungen von über 100 Mrd. Euro geplant. Dies sollte zugleich die private Investitionstätigkeit beflügeln. Hinzu kommt der weltweite KI-Boom, der auch vor Europa nicht Halt macht und sich unter anderem im Ausbau von Rechenzentren widerspiegelt. Erste Spuren davon finden sich bereits in der deutschen Auftragsstatistik (siehe oben).
Um das aktuelle konjunkturelle Geschehen in Deutschland zu beurteilen, sollte man generell nicht den Fehler begehen, den Blick zu sehr auf diejenigen Industriebranchen zu richten, die in der Vergangenheit traditionell die Konjunktur angeschoben haben (etwa der Fahrzeugbau und die Chemie). Der entscheidende Impuls für die konjunkturelle Belebung kommt dieses Mal eben nicht aus dem Ausland, sondern aus dem Inland. Die ersten Sektoren, die davon profitieren, sind – wie oben beschrieben – der Sonstige Fahrzeugbau, die Metallindustrie und vermutlich im Weiteren auch die elektrotechnische Industrie. Hinzu kommt der Bausektor. Auch hier gibt es immer mehr Indizien für eine unmittelbar bevorstehende Belebung. Der Einkaufsmanagerindex des Tiefbaus erklomm im Januar mit 57,5 Punkten sogar den höchsten Stand seit 15 Jahren (siehe nachfolgende Abbildung).

Summa summarum sehen wir uns durch die jüngsten Daten in unserer Prognose bestärkt, dass die konjunkturelle Belebung in Deutschland in vollem Gange ist. Wir teilen mithin nicht die von vielen vertretene Einschätzung, dass das deutsche Fiskalpolitik weitgehend wirkungslos verpufft. Stattdessen gehen wir mit Blick auf die deutsche Konjunktur 2026 von einer positiven Überraschung aus. Entsprechend halten wir an unserer Prognose fest, dass das deutsche BIP-Wachstum von 0,4% (2025) auf rund 1,6% (2026) anziehen wird, womit wir weiterhin deutlich über der Konsensusschätzung liegen (+1,0%).
