Ausblick für S&P500 und Eurostoxx trotz Risiken grundsätzlich positiv

Die internationalen Aktienmärkte haben ihre Verluste, die infolge des Angriffs der USA auf den Iran entstanden waren, jüngst vollständig aufgeholt. Stimmungsindikatoren signalisieren eine klare Aufhellung, während gleichzeitig saisonale Muster und politische Unsicherheiten – insbesondere vor den US-Zwischenwahlen – weiterhin auf Schwankungen hindeuten. Zunächst bleibt der positive Trend jedoch intakt und spricht für eine Fortsetzung der Aktienmarkterholung. So ist die Bewertung insbesondere großer Technologiewerte moderater als noch zu Jahresbeginn. Insgesamt ergibt sich ein vorsichtig konstruktives Bild für die kommenden Monate, was einen weiteren Anstieg für Indizes wie S&P500 und Eurostoxx erwarten lässt.

Nach dem Angriff der USA auf den Iran hatte sich die Stimmung an den Aktienmärkten eingetrübt, weshalb wichtige Indizes Kurs auf ihre 200-Tage-Linie nahmen. Der S&P500 brach ausgehend vom Hoch um 10% ein, der Eurostoxx, der die rund 300 liquidesten Titel der Eurozone umfasst, verlor temporär 13%. Durch die Waffenruhe und konstruktive Verhandlungsgespräche hat sich das Sentiment inzwischen wieder deutlich aufgehellt. Der »CNN Fear and Greed«-Indikator ist von 14 auf 66 gestiegen und befindet sich leicht unterhalb des neutralen Niveaus. Die »AAII US Investor Sentiment«-Umfrage wies temporär über 50% an pessimistischen Stimmen aus, deren Anteil jüngst jedoch auf ein Niveau von 34% gesunken ist. Der Anteil der Optimisten fiel von 50% Ende Januar auf 30% im März, liegt aktuell aber wieder bei 46%. Diese Entwicklung verdeutlicht die rasche Sentiment-Umkehr und die leichte Aufhellung in den vergangenen Tagen. Das Verhältnis von Put- zu Call-Optionen befindet sich mit 51% erneut auf einem sehr tiefen Niveau, was den geringen Absicherungsdrang der Investoren zeigt. Der Volatilitätsindex VIX liegt inzwischen wieder auf einem Niveau unter 20, was ein konstruktives Zeichen für eine anhaltende Aktienmarkterholung nach einem Einbruch ist.

Saisonale Ausgangslage für das Börsenjahr 2026 ist positiv

Der Februar und März zählen saisonal zu den volatilsten Monaten – das hat sich auch in diesem Jahr bestätigt. In der Regel folgt darauf eine deutlich ruhigere Phase im April und Mai, die nun bevorstehen dürfte. Ab Juni steigt aufgrund der üblicherweise abnehmenden Liquidität die Anfälligkeit für Korrekturen, weshalb die Sommermonate in der Vergangenheit von einer schwächeren Wertentwicklung geprägt waren. Zusätzlich stehen in diesem Jahr die Zwischenwahlen in den USA an, die zu Unsicherheit führen dürften. Erfahrungsgemäß entwickeln sich die Monate vor diesen Wahlen schwächer, was sich häufig in Korrekturen während der Sommermonate niederschlägt. Nach der voraussichtlich positiven Entwicklung im April und Mai dürfte daher wieder eine volatilere Phase am Aktienmarkt folgen. Gemäß der »Rule of the First Five Days« ist für das Aktienjahr 2026 insgesamt mit einer positiven Entwicklung zu rechnen, wobei gleichzeitig Zwischenwahljahre als die schwächsten im vierjährigen US-Präsidentschaftszyklus gelten und daher eher ein moderat positives Ergebnis erwarten lassen. Insgesamt ist die saisonale Ausgangslage für das Börsenjahr 2026 damit positiv, auch wenn insbesondere in den liquiditätsschwachen Sommermonaten temporäre Rücksetzer auftreten können.

Starke Marktbreite innerhalb von S&P500 und Eurostoxx

Die geografische Marktbreite hat sich nach einem kurzen Tauchgang wieder erholt. Nachdem sich im März nur 45% der globalen Länderindizes positiv entwickelt hatten, stieg die Zahl im April erneut auf 85%, was einer robusten geografischen Marktbreite entspricht. Innerhalb des S&P500 handeln 60% der Titel oberhalb der 200-Tage-Linie, im Eurostoxx sind es 63%. Dies spricht im historischen Kontext für eine starke Marktbreite innerhalb der Indizes, was positiv zu werten ist. Die zehn größten Titel innerhalb des S&P500 haben unverändert ein vergleichsweises hohes Gewicht von 38% im Index. Sie haben sich im Umfeld des Irankriegs relativ stabil entwickelt und den breiten Aktienmarkt damit gestützt. Zudem sind sie basierend auf den erwarteten Gewinnschätzungen (Price-Earnings-Ratio) nicht mehr horrend hoch bewertet. Betrachtet man das Verhältnis zwischen Preis und Gewinnschätzungen (Forward Price/Earnings) von Meta (19,6), Microsoft (23,7) und Nvidia (24,0), so befinden sich diese Werte selbst nach dem jüngsten Kursanstieg auf moderaten Niveaus. Für den S&P500 liegt das Verhältnis bei 21,4. Trotz vergleichbarer Indexniveaus ist das Barometer aktuell günstiger bewertet als noch im Januar. Insgesamt kann man bei den Tech-Schwergewichten nicht mehr von ausschließlich teuer bewerteten Aktien sprechen. Dies verringert das Risiko der starken Marktkonzentration deutlich.

Charttechnisches Bild ist vorsichtig positiv zu werten

Das charttechnische Bild ist für den S&P500 und den Eurostoxx vorsichtig positiv zu werten. Der überwiegende Teil der gleitenden Durchschnitte sowie der exponentielle gleitende Durchschnitt sind nach der jüngsten Erholung aufwärtsgerichtet. Gleichzeitig generiert der Trendfolgeindikator MACD für beide Indizes ein Kaufsignal. Die Bollinger-Bänder deuten für den S&P500 auf weiter steigende Kurse hin, für den Eurostoxx liefern sie noch ein neutrales Signal. Der Relative Strength Index (RSI) deutet für den S&P500 angesichts der zuletzt sehr dynamischen Entwicklung auf kurzfristig überkaufte Niveaus hin. Entsprechend ist eine kurzfristige Abschwächung der Dynamik nicht unwahrscheinlich. Dafür spricht auch die GAP-Theorie (Kurslücke) in der Charttechnik: Mit der Verkündung eines Waffenstillstandes haben diverse Indizes eine signifikante Kurslücke von etwa 2,5% zwischen Vortagesschluss und Börseneröffnung gebildet. Die Theorie besagt, dass solche Kurslücken nicht selten durch eine Gegenbewegung geschlossen werden. Sofern die Theorie sich bewahrheitet, wären Rücksetzer auf ein Niveau von 6.600 Punkten im S&P500 (-7,5%) und 605 im Eurostoxx (-5,8%) zu erwarten. Unterstützung würden die Indizes in einem solchen Szenario auf dem Niveau der 200-Tage-Linie bei 6.700 im S&P500 (-5,8%) und 600 im Eurostoxx (-4,7%) finden. Sollte auch diese Marke unterschritten werden, dürften die Tiefstände vom März (6.300 im S&P500, -12,5% und 570 im Eurostoxx, -10,3%) getestet werden.

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