Ausblick bis 2027: Hausse der Risikoassets geht in die Verlängerung

Anfang 2026 prägt ein ungewöhnlich konstruktives makroökonomisches Umfeld die Finanzmärkte. Die globale Konjunktur zeigt sich trotz geopolitischer Risiken und handelspolitischer Störfeuer robust, getragen von einem investitionsgetriebenen Aufschwung in den USA, stabilisierendem Konsum und breit angelegten fiskalischen Impulsen in Europa. Für die Geldpolitik schrumpft damit der Spielraum für weitere Lockerungen, gleichzeitig nimmt die Erwartung an dauerhaft höhere Wachstums- und Inflationsraten zu. Dieses Umfeld spricht für steigende Renditen lang laufender Staatsanleihen und eine fortgesetzte Versteilerung der Zinskurven. Während Staatsanleihen unter Druck bleiben, profitieren Unternehmensanleihen, Covered Bonds und Aktien von zyklischem Rückenwind und sinkenden Ausfallrisiken. Im 1. Halbjahr 2027 dürften Risikoassets wie Aktien wegen einer vorübergehenden konjunkturellen Abkühlung kurzzeitig unter Druck kommen. Ein Ausverkauf ist aber nicht zu erwarten. Vielmehr spricht vieles für ein erneutes Happy End auch 2027.

Anfang 2026 präsentiert sich die globale Konjunktur in erstaunlich guter Verfassung: Ungeachtet des von Donald Trump angezettelten Zollkriegs und der vielfältigen geopolitischen Konfliktherde wächst die Weltwirtschaft robust. So ist die US-Wirtschaft im 2. Halbjahr 2025 um mehr als 3,0%, die chinesische Wirtschaft um knapp 5,0%, die übrigen Schwellenländer um gut 4,0% und die Eurozone immerhin um 1,2% gewachsen. Und für 2026 zeichnet sich eine weitere Belebung ab.

USA profitieren von Investitionsbelebung

Dreh- und Angelpunkt der Weltwirtschaft bleiben die USA. 2025 waren dort die Investitionen in Maschinen und Anlagen der Wachstumstreiber. Allen voran die KI-nahen Investitionen (in Rechenzentren, Computerausrüstung sowie Software) boomten mit einer Expansionsrate von rund 15%. Daran dürfte sich im laufenden Jahr nichts ändern. Die großen Technologiekonzerne haben bereits weitere Projekte im Volumen von mehreren Hundert Milliarden US-Dollar angekündigt. Damit aber nicht genug: 2026 dürfte die Investitionsbelebung an Breite gewinnen und auch den Mittelstand erfassen. Dafür spricht unter anderem die Verbesserung der Finanzierungskonditionen. So ist es eine Besonderheit des aktuellen Umfelds, dass die Fed den Investitionsboom durch Leitzinssenkungen zusätzlich befeuert. Damit ist es für die Unternehmen im Jahr 2026 noch einfacher geworden, an günstige Liquidität zu kommen. Ein erstes Indiz dafür ist das zu Jahresbeginn hohe Emissionsvolumen an Unternehmensanleihen. Die Aufhellung des monetären Rahmens spiegelt sich auch in unseren Frühindikatoren, die für 2026 grünes Licht für eine noch dynamischere Investitionstätigkeit geben (siehe Grafik 1). Weiterer Rückenwind geht von der expansiveren Fiskalpolitik (Stichwort: »One Big Beautiful Bill Act«) sowie dem aller Voraussicht nach abebbenden globalen Handelsstreit aus. Donald Trump dürfte vor den Zwischenwahlen alles daransetzen, um für die Unternehmen ein ideales Investitionsumfeld zu schaffen.

Auch der Konsum sollte US-Wirtschaft stützen

Die Konsumnachfrage stand 2025 unter keinem guten Stern: Der zollbedingte Inflationsschub, die Entlassungswelle im öffentlichen Dienst und der längste Government Shutdown der US-Geschichte waren vor allem für die unteren Einkommensgruppen Belastungsfaktoren. Dafür sprangen jedoch die wohlhabenderen Bevölkerungsgruppen – gestützt durch die Aktienhausse – in die Bresche und ermöglichten, dass der private Verbrauch 2025 einen soliden Zuwachs von über 2,0% aufwies. Im laufenden Jahr sollte sich das Umfeld dank der Steuersenkungen und einer Stabilisierung am Arbeitsmarkt generell verbessern. Auch der Konsum dürfte somit eine Konjunkturstütze bleiben. In Anbetracht des positiven Ausblicks für die Investitions- und Konsumnachfrage gehen wir davon aus, dass sich das US-Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 bei 2,5% bis 3,0% einpendelt und damit höher liegt als im Vorjahr (ca. 2,2%). Mit dieser Prognose sind wir noch etwas optimistischer als der Konsensus (2,4%).

1: Breite Investitionsbelebung in Sicht

Quellen: Census Bureau, Bloomberg, Bantleon

2: China hat Zollschock gut weggesteckt

Quellen: Census Bureau, Bloomberg, Bantleon

Fed dürfte Leitzins unverändert lassen

Für die Geldpolitik bedeutet dies, dass die Argumente für weitere monetäre Lockerungen schwinden. Das robuste Wachstum sollte einerseits zu anhaltendem Inflationsdruck führen – die Teuerungsrate dürfte deutlich über 2,0% verharren. Andererseits sollte die Investitionsbelebung auch die Beschäftigungsnachfrage beflügeln und die Arbeitslosenquote senken. Der vermehrte Einsatz von KI dürfte diesen Trend lediglich dämpfen, aber nicht gänzlich außer Kraft setzen. In unserem Basisszenario rechnen wir daher für 2026 mit keiner weiteren Leitzinssenkung mehr beziehungsweise erwarten bestenfalls noch einen Schritt um 25 Basispunkte zur Jahresmitte. Nicht auszuschließen ist, dass mit dem Wechsel an der Fed-Spitze und dem massiven politischen Druck der Offenmarktausschuss am Ende doch zu einem Ausführungsorgan des US-Präsidenten mutiert. Allerdings sind die Trump-Anhänger im FOMC eindeutig in der Minderheit, weshalb wir einem aggressiven Leitzinssenkungsszenario nach wie vor nur eine Außenseiterchance einräumen.

Schwellenländer bleiben Wachstumsmotor

Unter den Schwellenländern ist nach wie vor China am stärksten von den US-Strafzöllen belastet, die der chinesische Außenhandel indes bislang gut weggesteckt hat (siehe Grafik 2). Dank vermehrter Ausfuhren nach Asien und Europa befindet sich der Export weiterhin im Aufwind. Das eigentliche Problem bleibt die Binnennachfrage. Die chinesische Regierung hat aber keine Zweifel daran gelassen, dass sie notfalls weitere fiskalische Stimuli lancieren wird, sollte das Wachstum namhaft unter 5% abrutschen. China dürfte somit zwar kein Wachstumsmotor, aber auch kein Belastungsfaktor für die Weltwirtschaft im laufenden Jahr sein.

Außerhalb Chinas wachsen viele Schwellenländer mit einer Rate von 5% bis 7% – allen voran Indien, aber auch Vietnam, Taiwan, Indonesien, die Philippinen, Malaysia sowie einige arabische (Saudi-Arabien) und afrikanische (Kenia) Staaten. In vielen Regionen ist das Inflationsproblem überwunden und es hat sich ein endogener Aufschwung etabliert. Mit den nachlassenden geopolitischen Spannungen sollte auch dort die Dynamik eher zu- als abnehmen.

Wirtschaft der Eurozone profitiert von riesigen Fiskalpaketen

Zieht man ein Zwischenfazit, dürfte sich das weltwirtschaftliche Umfeld 2026 auf breiter Front aufhellen. Dies war in der Vergangenheit zugleich immer eine Initialzündung für die Eurozone. Allerdings sind die US-Strafzölle nach wie vor ein Bremsfaktor im Außenhandel. Die größten Konjunkturhoffnungen ruhen daher nicht auf dem Export, sondern auf dem Fiskalpaket der deutschen Bundesregierung. Aus unserer Sicht sind diese Hoffnungen unverändert berechtigt. Die Bundesregierung plant, die Ausgaben in der laufenden Legislaturperiode um mehr als 120 Mrd. Euro (= rund 3,0% des BIP) zu steigern (siehe Grafik 3). Ein Großteil des Ausgabenschubs (> 50%) dürfte dabei im laufenden Jahr erfolgen. Kritisiert wird allerdings, dass von den staatlichen Impulsen bislang noch nicht viel zu sehen ist. Dies lag an der Haushaltssperre, die bis Oktober 2025 in Kraft war. Erst seit der Absegnung des Budgets durch den Bundestag kann das Geld aus dem Infrastrukturfonds und zur Steigerung der Militärausgaben abfließen. Indizien, dass dies jetzt geschieht, lieferten die Auftragsdaten der Industrie vom Jahresende. Demnach ist der Ordereingang innerhalb von zwei Monaten um 14% in die Höhe geschnellt (siehe Grafik 4). Und dies dürfte erst der Anfang sein – die Pipeline ist prall gefüllt.

3: Massiver deutscher Fiskalimpuls …

Quellen: Bundesregierung, Destatis, Bantleon

4: … der Auftragsboom nach sich zieht

Quellen: Bundesregierung, Destatis, Bantleon

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass ein Großteil des Geldes nicht für Investitionen, sondern andere Bereiche (Sozialausgaben oder Subventionen) verwendet wird. Dies ist zwar mit Blick auf die mittelfristigen Wachstumsperspektiven bedauerlich, aus konjunktureller Sicht aber zunächst zweitrangig. Erhöhungen der Sozialausgaben (zum Beispiel Mütterrente) oder Subventionen (zum Beispiel Senkung der Energiepreise für die Industrie) steigern das verfügbare Einkommen der Privathaushalte und Unternehmen und treiben damit die Konsum- und Investitionsnachfrage an. Gleiches gilt für die vielen geplanten Steuersenkungen. Wir sind daher zuversichtlich, dass der größte staatliche Impuls seit der deutschen Wiedervereinigung Wirkung entfalten und das Wachstum in Deutschland im laufenden Jahr um rund 1,5%-Punkte anschieben wird.

Während das deutsche Wachstum somit einen Satz nach oben macht, sollte das Expansionstempo in Südeuropa auf hohem Niveau verharren. Die Länder sind zwar nicht aus eigener Kraft dazu in der Lage, expansive Fiskalimpulse zu setzen, es fließt aber weiterhin viel Geld aus Brüssel nach Italien, Spanien, Portugal und Griechenland. Insgesamt hält der EU-Wiederaufbaufonds für diese Länder 450 Mrd. Euro parat und erst ca. 60% davon wurden abgerufen. Der Rest dürfte in den nächsten 15 bis 18 Monaten fließen und damit weiterhin die öffentlichen Investitionen antreiben. Darüber hinaus erholt sich der Arbeitsmarkt in Südeuropa deutlich. Die italienische Arbeitslosenquote beispielsweise ist Ende 2025 auf ein Rekordtief von 5,6% gefallen. Alles zusammengenommen dürfte das Wachstum in der Eurozone weiter beflügeln. Wir rechnen damit, dass der BIP-Zuwachs von 1,4% im Jahr 2025 auf 1,8% im laufenden Jahr zulegt. Der Konsensus geht dagegen sogar von einer leichten Abschwächung beim Wachstum aus (1,2%). Die zahlreichen Fiskalimpulse werden demnach als weitgehend wirkungslos angesehen.

Inflationsrisiken nehmen in der Eurozone wieder zu

Unterdessen ist die Inflation der Eurozone Anfang 2026 auf 1,7% abgetaucht. Aufgrund der Euro-Aufwertung, günstiger Basiseffekte und des nachlassenden Lohndrucks dürfte die Teuerungsrate im 1. Quartal 2026 auf diesem Niveau verharren beziehungsweise noch leicht sinken. Behalten wir allerdings mit unserer Konjunkturprognose recht und das Wachstum zieht über die Potenzialrate an, werden die Inflationsrisiken erneut zunehmen. Wir gehen daher davon aus, dass die Inflation im 2. Halbjahr 2026 wieder über die 2,0%-Marke zurückkehrt. Damit sind wir weniger zuversichtlich als die EZB, die von einem anhaltenden Rückgang der Teuerungsrate ausgeht.

Derzeit sieht sich die Notenbank in einer guten Position, um in der Zinspolitik erst einmal abzuwarten. Der Leitzins liegt entsprechend seit Mitte 2025 unverändert bei 2,00%. Die aktuelle Inflationsentwicklung liefert einerseits den Tauben im EZB-Rat Munition, um für eine nochmalige Zinssenkung zu plädieren. Dem stehen aber auf der anderen Seite die freundlichen Konjunkturdaten gegenüber. Dieses Patt dürfte im 1. Halbjahr 2026 fortbestehen. Die EZB wird deshalb wohl geradeaus fahren. Im weiteren Jahresverlauf sollte jedoch die konjunkturelle Belebung in den Vordergrund rücken und die Debatte über die Notwendigkeit geldpolitischer Straffungen befeuern. Ob Ende 2026 eine erste Leitzinsanhebung erfolgt, bleibt abzuwarten. Zumindest dürften an den Geldterminmärkten die Zinserwartungen nach oben korrigiert werden.

Im 1. Halbjahr 2027 dürfte die Weltwirtschaft kurz abkühlen

Im laufenden Jahr spricht also die Kombination aus expansiven geld- und fiskalpolitischen Impulsen, den abnehmenden Risiken im globalen Handelsstreit und dem anhaltenden KI-Boom für ein weltweit anziehendes Wachstumstempo. Unsere Frühindikatoren deuten indes an, dass Ende 2026 in all diesen Bereichen der Rückenwind nachlässt. Für das 1. Halbjahr 2027 prognostizieren wir daher eine konjunkturelle Abkühlung, die zum Beispiel in den USA das Wachstum wieder temporär unter 2,0% drücken sollte. Indizien für einen scharfen Einbruch oder gar eine Rezession sehen wir gleichwohl nicht. Dafür dürften unter anderem die konjunkturellen Auftriebskräfte in Deutschland und den Schwellenländern zu groß sein. Im 2. Halbjahr 2027 gehen wir entsprechend von einer zyklischen Wiederbelebung aus und erwarten im Jahr 2028 sowohl in den USA als auch in der Eurozone ein Wachstum auf Potenzialniveau.

Neben dem demografischen Wandel sehen wir in der global ausufernden Staatsverschuldung – allen voran in den USA, Japan, Frankreich und China – das größte mittelfristige Wachstumsrisiko. In allen genannten Ländern dürften die Zinslasten in den nächsten Jahren so stark anschwellen, dass eine deutliche Reduzierung der Staatsausgaben unumgänglich ist. Die damit einhergehende restriktivere Fiskalpolitik dürfte das Wachstum über Jahre belasten. Dieses Szenario sollte indes erst zum Ende der 2020er- oder Anfang der 2030er-Jahre relevant werden.

Finanzmärkte: Risk-on hält trotz hoher Bewertungen vorerst an

2025 haben die meisten Assetklassen kräftige Kursgewinne verbucht – das gilt vor allem für Gold (+65%), aber auch für die globalen Aktienmärkte (MSCI World: +22%). Auf der Verliererstraße befanden sich dagegen lang laufende Staatsanleihen. Anleger, die ihr Geld in deutsche Bundesanleihen mit ultralangen Laufzeiten investiert hatten, verbuchten – gemessen am »ICE BofA 15+ German Government Index« – einen Verlust von 12%. Spiegelbildlich befinden sich die Renditen 30‑jähriger Staatsanleihen weltweit in einem Aufwärtstrend. Der Grund dafür sind zum einen die verbesserten Wachstumsperspektiven. Zum anderen sind in den Augen der Investoren aber auch die Zinsänderungsrisiken gestiegen: wegen der unberechenbaren Politik des US-Präsidenten, der ausufernden Staatsverschuldung und der wachsenden geopolitischen Krisenherde. Die Investoren fordern entsprechend eine höhere Laufzeitprämie, was sich vor allem bei langen Laufzeiten bemerkbar macht.

Gegenwind für Staatsanleihen bleibt 2026

Im Jahr 2026 dürfte der Gegenwind für Staatsanleihen anhalten. Wie oben ausgeführt, rechnen wir mit einer namhaften Belebung der Weltwirtschaft. Im Gegenzug dürfte der globale Zinssenkungszyklus der Notenbanken auslaufen. In der Folge werden die an den Geldterminmärkten eingepreisten Leitzinserwartungen nach oben wandern. Entsprechend erwarten wir sowohl in der Eurozone als auch in den USA in den kommenden Monaten einen moderaten Renditeanstieg, der sich weiterhin speziell am langen Ende der Zinskurve niederschlagen wird. Konkret gehen wir davon aus, dass die Renditen 10-jähriger deutscher Bundesanleihen bis zur Jahresmitte um gut 40 Basispunkte auf 3,30% steigen werden. In den USA sollte der Renditeanstieg noch etwas stärker ausfallen. Dort rechnen wir bei 10-jährigen Laufzeiten in der Spitze mit bis zu 5,00%. Am kurzen Ende der Renditekurve wird der Anstieg durch den Seitwärtstrend der Leitzinsen gebremst. Die Zinskurven dürften sich daher weiter versteilern.

Gutes Umfeld für Covered Bonds und Unternehmensanleihen

Anders als für Staatsanleihen ist das Umfeld für Covered Bonds und Unternehmensanleihen weiterhin freundlich. In Phasen einer konjunkturellen Wiederbelebung kommt es in der Regel zu einer Outperformance von risikoreicheren Anleihenkategorien gegenüber Staatsanleihen. Gründe dafür sind unter anderem der steigende Risikoappetit der Investoren, die abnehmenden Ausfallraten und die Tendenz zu Rating-Heraufstufungen. Obwohl Covered Bonds und Unternehmensanleihen inzwischen sportlich bewertet sind und die Risikoaufschläge auf oder in der Nähe langjähriger Tiefststände notieren, rechnen wir im Jahr 2026 mit einer weiteren Verbesserung. Bei europäischen Investment-Grade-Unternehmensanleihen liegt der Risikoaufschlag gegenüber deutschen Bundesanleihen nur noch bei knapp über 70 Basispunkten – der niedrigste Stand seit 19 Jahren. Dennoch besteht weiteres Einengungspotenzial in Richtung 50 bis 60 Basispunkte. Neben dem konjunkturellen Rückenwind sprechen dafür auch fundamentale Gründe. So hat sich im Unternehmenssektor die Schuldensituation in den vergangenen Jahren weniger stark zugespitzt als im Staatssektor. Gemessen am BIP beschreibt die Schuldenstandsquote keinen Aufwärts-, sondern einen Seitwärtstrend.

Bei europäischen High-Yields hat der Spread gegenüber deutschen Bundesanleihen mit 265 Basispunkten zwar noch nicht ganz das zyklische Tief aus dem Jahr 2017 erreicht (235 Basispunkte). Wir gehen allerdings davon aus, dass dieses Niveau im laufenden Jahr in Angriff genommen und sogar leicht unterboten wird. Dafür spricht, dass wir 2026 von einer namhaften zyklischen Belebung ausgehen und somit all die oben genannten Faktoren (steigender Risikoappetit, rückläufige Ausfallraten etc.) besonders stark zur Geltung kommen. Tritt unsere Prognose ein, dürfte die Spreadeinengung nahezu komplett den Renditeanstieg bei Staatsanleihen kompensieren. Der Investor könnte damit den Ertrag aus dem Coupon einer High-Yield-Anleihe (aktuell durchschnittlich 5,0%) voll vereinnahmen.

Aktien trotzen hohen Bewertungen

Für Aktien gilt das Gleiche wie für Unternehmensanleihen. Die Hausse der vergangenen Jahre hat die Bewertungen speziell in den USA auf luftige Höhen getrieben. Das Shiller-KGV liegt dort mittlerweile bei 40 – ein Niveau, das zuletzt in der Dotcom-Blase übertroffen wurde. Die Hoffnungen ruhen dabei nicht zuletzt auf der KI-Revolution und den damit verbundenen Produktivitätseffekten. Ob diese Erwartungen gerechtfertigt sind, bleibt abzuwarten. Der Investitionsboom der vergangenen Jahre spricht zumindest für einen Aufwärtstrend im Produktivitätswachstum

Kurzfristig ist aber ohnehin das zyklische Umfeld der alles entscheidende Faktor. Behalten wir mit unserer optimistischen Prognose recht, dürfte zweierlei passieren: Die Investoren werden zum einen die Gewinnschätzungen nach oben korrigieren und zum anderen – wegen des steigenden Risikoappetits – noch höhere Bewertungen akzeptieren. Davon sollte insbesondere Europa profitieren, wo die Aktien immer noch moderat bewertet sind und der größte Wachstumssprung zu erwarten ist. Generell dürften Small und Mid Caps sowie zyklische Aktien (speziell der Banken- und Grundstoffsektor) Gewinner des skizzierten Umfelds sein und gegenüber Large Caps und defensiven Aktien outperformen. Alles in allem halten wir an den europäischen Aktienmärkten Kursgewinne von 10% bis zum Herbst 2026 für realistisch.

Risikoassets 2027 temporär unter Druck

Im Jahr 2027 dürfte sich das Umfeld für Risikoassets angesichts unserer Prognose einer konjunkturellen Abkühlung zunächst eintrüben. Da wir aber nur von einem Midcycle Slowdown und keiner Rezession ausgehen, rechnen wir mit keinem Ausverkauf bei Risikoassets. Aktien und Unternehmensanleihen dürften entsprechend moderat unter Druck geraten, während Staatsanleihen leichten Aufwind verspüren. Die Renditen von 10-jährigen deutschen Bundesanleihen sollten temporär wieder unter 3,00% sinken – vom Niedrigzinsumfeld der Jahre 2019 bis 2021 sind wir damit aber noch weit entfernt. Im 2. Halbjahr 2027 dürfte sich die Lage auch schon wieder beruhigen und somit Risikoassets insgesamt mit einem blauen Auge davonkommen. Die erste große Korrektur am Aktienmarkt seit dem Jahr 2008 dürfte damit auch 2026 und 2027 ausbleiben. Zum Ende dieses Jahrzehnts wollen wir dafür aber nicht unsere Hand ins Feuer legen.

Die genannten Gründe sprechen auch dafür, dass sich die Bund-Swap-Spreads in den nächsten Jahren weiter auf tiefen Niveaus bewegen werden. Unter anderem ist die klassische Safe-Haven-Prämie von Staatsanleihen – nicht zuletzt wegen der Debatte über die ausufernde Staatsverschuldung – abgeschmolzen. Gleichzeitig hat sich die fundamentale Lage des Bankensektors, der am Swap-Markt besonders präsent ist, in den vergangenen Jahren stabilisiert. Die wieder steilere Zinskurve dürfte auch in den kommenden Jahren den Bankensektor beflügeln.

Schließlich bleiben wir auch für die bonitätsschwächeren Staatsanleihen der Eurozone in den nächsten Jahren zuversichtlich. Speziell die Spreads von italienischen, spanischen und portugiesischen Staatsanleihen (gegenüber deutschen Bundesanleihen) befinden sich seit drei Jahren in einem übergeordneten Abwärtstrend. Daran dürfte sich wenig ändern, selbst wenn mittlerweile kaum noch Fleisch am Knochen ist. Zum einen rechnen wir mit einem anhaltend konstruktiven konjunkturellen Umfeld in Südeuropa. Zum anderen nimmt die Schuldenvergemeinschaftung in der Eurozone weiter zu. So dürfte sowohl der Wiederaufbau der Ukraine als auch die Wiederaufrüstung in Europa über EU-Anleihen finanziert werden. Alle Euroländer, die zugleich Teil der EU sind, sitzen damit zunehmend in einem Boot. Risikoaufschläge innerhalb der Eurozone machen deshalb immer weniger Sinn, weshalb die Spreads 2026/2027 neue langjährige Tiefststände ins Visier nehmen dürften.

Rechtlicher Hinweis

Die in diesem Beitrag gegebenen Informationen, Kommentare und Analysen dienen nur zu Informationszwecken und stellen weder eine Anlageberatung noch eine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Anlageinstrumenten dar. Die hier dargestellten Informationen stützen sich auf Berichte und Auswertungen öffentlich zugänglicher Quellen. Obwohl die Bantleon AG der Auffassung ist, dass die Angaben auf verlässlichen Quellen beruhen, kann sie für die Qualität, Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Angaben keine Gewährleistung übernehmen. Eine Haftung für Schäden irgendwelcher Art, die sich aus der Nutzung dieser Angaben ergeben, wird ausgeschlossen. Die Wertentwicklung der Vergangenheit lässt keine Rückschlüsse auf die künftige Wertentwicklung zu.

nach oben