Bantleon - Der Anleihemanager

Kommentar

31. Januar 2012

Aufwärtstrend der Aktien- und Rohstoffpreise fundamental gut unterstützt

Wie beschwerlich der Weg aus der Eurokrise werden wird, ist an den jüngsten Nachrichten aus Griechenland tragisch wie idealtypisch abzulesen: Das zweite grosse Rettungspaket über 130 Mrd. ist noch gar nicht verabschiedet, da liess EU-Währungskommissar Rehn mit seinen »Neuberechnungen« die nächste Bombe platzen: Demnach fehlen weitere 12 bis 15 Mrd. EUR, wenn Griechenland bis 2020 tatsächlich wieder auf eigenen Füssen stehen soll. Das sei aber »nichts Dramatisches«, so der lapidare Kommentar Olli Rehns. 

Vor dieser Kulisse geraten die erfolgreichen Verhandlungen zwischen der Athener Regierung und dem internationalen Bankenverband über die Details der Umschuldung förmlich zur Nebensache. Dabei wurde die lästige Frage, mit welchem Kupon die 30-jährigen Anleihen ausgestattet werden sollen, die Privatinvestoren für die verbleibenden 50 % ihrer Forderungen erhalten, endlich geklärt: Man einigte sich auf die Einhaltung der von Brüssel angemahnten Obergrenze von erkennbar unter 4 %.

Kaum ist dieses Hindernis aus dem Weg geräumt, türmt sich nun mit der notwendigen Aufstockung der Hilfen um bis zu 15 Mrd. EUR das nächste auf. Denn jetzt droht eine neue Phase, in der sich die Finanzmärkte mehr mit politischen Kalkülen auseinandersetzen als mit makroökonomischen Fakten. In Deutschland etwa haben sich führende Vertreter der Regierungskoalition weit aus dem Fenster gelehnt, als sie das Ende Oktober beschlossene Hilfspaket eilfertig als »definitive Obergrenze« titulierten. Diese Grenze gilt es nun wort- und findungsreich nach oben zu verschieben.

Trotz dieser neuen Unwägbarkeiten gibt es einen entscheidenden Unterschied zur Situation vom Herbst des Jahres 2011, als die letzten grossen Rettungspakete geschnürt wurden: Damals blickte die Eurozone in einen wirtschaftlichen Abgrund. Die Ränder der Währungsunion befanden sich in einer Rezession und auch den Kernländern drohte der Absturz – ein schier hoffnungsloser Teufelskreis. Mit Blick auf das Jahr 2012 kündigt sich indes an, dass sich die Doppelbelastung aus Schulden- und Wirtschaftskrise entspannen sollte.

Denn nach Massgabe der jüngsten Frühindikatoren scheinen die Kernländer knapp an einer Rezession vorbeizuschlittern. Mehr noch, wie aus den Unternehmensumfragen hervorgeht, hat sich mit der Auftragslage die vorausschauende Komponente branchenübergreifend verbessert. Dahinter steht wieder einmal das Exportgeschäft mit den grossen Schwellenländern. Die drei Schwergewichte China, Indien und Brasilien sind auf eine weniger restriktive geldpolitische Ausrichtung eingeschwenkt, was der zuvor schwächelnden Investitionsgüternachfrage umgehend neuen Schwung einflösst. 

Auch die US-Konjunktur setzt ihren Erholungskurs fort. Die Zusicherung der Fed, die Zinsen voraussichtlich bis Ende 2014 auf aussergewöhnlich niedrigem Niveau zu belassen, trägt das ihre dazu bei, die Belebung der Wirtschaft unter Zuhilfenahme von günstigem »Kredit«-Kraftstoff aufrecht zu erhalten.

Die weltweit expansiver werdende Geldpolitik entwickelt sich damit in zunehmendem Masse zu einem wichtigen stützenden Faktor für risikobehaftete Assets. Insofern bleibt der Aufwärtstrend der Aktien- und Rohstoffpreise fundamental ebenso gut unterstützt, wie die Erholung bei Unternehmensanleihen und Staatsanleihen der EUR-Peripherie. Dank der Liquiditätsflut der grossen Notenbanken sollte daraus aber kein Abgesang auf die »Safe-Haven«-Märkte komponiert werden – zumal die Schuldenkrise immer wieder für neue Negativschlagzeilen sorgen wird.

 

harald_preissler

Dr. Harald Preissler

CIO Bantleon Bank AG, Zug
Chefvolkswirt und Leiter
Anlagemanagement
 

 
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