Kommentar
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17. August 2010 |
Der Rentenmarkt trotzt den deutschen Konjunkturdaten
Die Investoren an den deutschen Staatsanleihenmärkten sehen sich derzeit mit zwei vollkommen unterschiedlichen Nachrichtenströmen konfrontiert. So vergeht kaum eine Woche ohne überraschend freundliche – zum Teil sensationell positive – Meldungen aus Deutschland. Als jüngster Paukenschlag entpuppten sich die BIP-Zahlen vom 2. Quartal. Demnach expandierte die deutsche Wirtschaft zwischen April und Juni um 2,2 % – ein Wert, der sonst nicht einmal in einem ganzen Jahr erreicht wird (zwischen 1999 und 2008 betrug das durchschnittliche deutsche Wachstum 1,5 % p. a.).
Auch wenn man das gesamte 1. Halbjahr 2010 betrachtet und somit der Volatilität in der Bauwirtschaft Rechnung trägt, fällt die Bilanz beeindruckend aus: Auf das Jahr hochgerechnet wuchs die Wirtschaft um mehr als 5,0 %. Hinzu kommt, dass die Stimmungsbarometer keinen Hinweis auf einen baldigen Konjunktureinbruch liefern. Im Gegenteil, sowohl der IFO-Index als auch die Einkaufsmanagerindikatoren bewegten sich im Juli über dem Durchschnitt des 2. Quartals.
An den Rentenmärkten rufen die deutschen Zahlen jedoch derzeit kaum ein Echo hervor. Zum einen werden sie durch die Schwäche in den Peripherieländern der Eurozone relativiert. Zum anderen bereitet die globale Entwicklung Sorge – allen voran aus den beiden wichtigsten Lokomotiven der Weltwirtschaft kamen zuletzt ernüchternde Nachrichten. So stockt in den USA die Arbeitsmarkterholung und in China zeigen sowohl die Trends in den Investitions- als auch Konsumdaten nach unten.
Für die Finanzmärkte steht damit fest, dass die Weltwirtschaft vor einem spürbaren Abschwung steht, was vor allem für die westlichen Industrieländer nichts Gutes bedeutet. Hier hat sich die Kapazitätsauslastung der Industrie nach dem tiefen Fall im vergangenen Jahr gerade erst wieder einem durchschnittlichen Niveau angenähert. Ein nochmaliger Nachfrageeinbruch ginge daher mit erneuter Unterauslastung und einem weltweiten Preisunterbietungswettbewerb einher.
Dieser Gefahr ist sich auch die Fed bewusst. Sie vollzog in der vergangenen Woche einen Kurswechsel, indem sie den »Exit« aus der ultraexpansiven Geldpolitik vorerst abgeblasen hat.
Auch wir sind für das laufende und die kommenden Quartale skeptisch. Unsere Frühindikatoren signalisierten bereits Ende 2009 eine zyklische Abschwächung im 2. Halbjahr 2010. Dementsprechend haben wir schon seit Langem darauf hingewiesen, dass das globale Wachstum 2011 niedriger ausfallen wird als 2010. Zugleich besteht in unseren Augen jedoch kein Anlass für extremen Konjunkturpessimismus. Sowohl für die USA als auch die Eurozone kündigt sich lediglich eine Wachstumsverlangsamung aber kein erneuter Rückfall in die Rezession an. In Deutschland könnte die Phase überdurchschnittlichen Wachstums sogar länger anhalten als gedacht. Das Risiko, dass sich die Investoren an den Rentenmärkten auf ein zu düsteres Szenario eingestellt haben, ist daher unverändert gegeben. Temporäre Renditeanstiege bei einem weiterhin positiven Nachrichtenstrom aus Deutschland sind somit in den kommenden Monaten nicht ausgeschlossen.