Bantleon - Der Anleihemanager

Kommentar

1. Juni 2010

Der deutsche Arbeitsmarkt bleibt auf der Überholspur

Der deutsche Arbeitsmarktbericht setzt weiterhin Glanzlichter. So sank laut Bundesagentur für Arbeit die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl im Mai erneut kräftig um 45.000 — mehr als doppelt so starkwie von uns (-20.000) und dem Konsensus (-17.000) erwartet. Die befürchtete Gegenbewegung auf die Überraschung vom April (-67.000) ist daher ausgeblieben. Zugleich hat sich der gleitende Dreimonatsdurchschnitt auf einem 2-Jahrestief von -51.000 etabliert. Die Einstellungsdynamik am Arbeitsmarkt ist damit so stark wie Anfang 2008, als sich Deutschland mitten in der Hochkonjunktur befand.

Die erfreuliche Entwicklung ist auch im Vorjahresvergleich unübersehbar. Das Minus beträgt hier inzwischen 218.000 (nach -170.000 im April). Selbst wenn man berücksichtigt, dass der offizielle Saldo im 2. Halbjahr 2009 durch eine Änderung in der Zählweise entlastet wurde (der Effekt beträgt ca. -180.000), bleibt es dabei: Die Arbeitsmarktlage stellt sich heute besser dar als im Frühjahr 2009.

Dies belegen auch mehr und mehr alle anderen Indikatoren: Die Zahl der offenen Stellen hat im April erstmals seit langer Zeit wieder den Stand vom Vorjahr deutlich übertroffen (+23.000) und bei der Beschäftigung baut sich das Minus mit grossen Schritten ab (-22.000 im April, nach -95.000 im März). Ein steiler Rückgang ist daneben bei der Kurzarbeit beobachtbar. Ersten Schätzungen zu Folge gingen im Mai bei der Bundesagentur nur noch 30.000 bis 40.000 neue Anzeigen über Kurzarbeit ein (zu den Hochzeiten Anfang 2009 waren es monatlich noch über 500.000).

Der Arbeitsmarktausblick bleibt positiv

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Quelle: Markit, Destatis, Bantleon

Geht es nach den Konjunkturbarometern ist darüber hinaus kein Ende dieses positiven Trends in Sicht. Ob IFO-Index, Einkaufsmanagerumfrage oder Erhebung der EU-Kommission, überall wiesen die Beschäftigungskomponenten bis zuletzt deutliche Zuwächse auf und bewegen sich auf Niveaus, die weiteren Personalaufbau signalisieren (vgl. Abbildung).

Der Arbeitsmarkt erweist sich damit im aktuellen konjunkturellen Umfeld als wichtiger Stabilisierungsanker für den privaten Verbrauch, der von anderer Seite zunehmend Gegenwind erfährt. So hat die Staatsschuldenkrise der Eurozone erste negative Spuren im Verbrauchervertrauen hinterlassen — nach einer kräftigen Aufhellung zu Jahresbeginn erlitt es im Mai einen Rücksetzer.

Weiteres Ungemach droht von der Fiskalpolitik, die im kommenden Jahr von einem expansiven auf einen restriktiven Kurs einschwenkt: Die Bundesregierung plant für 2011 Einsparungen im Bundeshaushalt in der Grössenordnung von 10 Mrd. EUR (= 0,4 % des BIP). Die damit verbundenen Ausgabenkürzungen bzw. Steuererhöhungen (z.B. Anhebung des Arbeitslosenversicherungsbeitrags, Kürzungen in der Arbeitsmarktpolitik, Erhöhungen des ermässigten MwSt-Satzes, Beseitigung von Steuerschlupflöchern etc.) werden grösstenteils zu Lasten des verfügbaren Einkommens der Konsumenten gehen.

Die Besserungstendenz am Arbeitsmarkt fungiert daher als wichtige Gegenkraft. Unter anderem dürfte der Rückgang im Erwerbslosensaldo dafür sorgen, dass die kommenden Lohnabschlüsse merklich über der Nulllinie liegen und somit der Ausgabenspielraum der Konsumenten trotz restriktiver Fiskalpolitik zunimmt. In Anbetracht dessen sind wir zuversichtlich, dass die Konsumnachfrage ungeachtet der Verunsicherung durch die Staatsschuldenkrise nicht abstürzt, sondern in diesem und im nächsten Jahr sogar eine leicht konjunkturstabilisierende Wirkung entfaltet.

In den meisten anderen Eurostaaten sieht es demgegenüber ganz anders aus. Die Arbeitslosenquoten sind hier bis zuletzt weiter angestiegen und die Kürzungen in den öffentlichen Haushalten fallen weit umfangreicher aus. Der private Verbrauch dürfte daher in Ländern wie Spanien, Italien, Griechenland oder Portugal bestenfalls stagnieren.

 
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