Bantleon - Der Anleihemanager

Analyse

26. Januar 2012

Fed: »QE 3« in Sicht

Die US-Notenbank bleibt auf expansivem Kurs. Wie aus dem kurzen Statement nach der gestrigen Offenmarktausschusssitzung hervorgeht, werden die Leitzinsen aller Voraussicht nach nicht nur bis mindestens Mitte 2013, sondern bis mindestens Ende 2014 auf aussergewöhnlich niedrigem Niveau verharren.

Mit Spannung wurde ausserdem erwartet, wie die Einschätzungen der einzelnen FOMC-Mitglie­der zum Leitzinspfad konkret aussehen. Hier hatte die Fed als einen weiteren Schritt ihrer Transparenzoffensive angekündigt, kurz nach dem Statement detailliert die Projektionen der Notenbanker zu veröffentlichen. Tatsächlich brachten diese Details dann aber wenig Neues. Die Bandbreite der unterschiedlichen Erwartungen stellte sich als sehr weit heraus (vgl. Abb. unten). Das ist aber auch kein Wunder in Anbetracht der grossen Unsicherheiten, die mit diesen Projektionen verbunden sind und die sich mit dem langen Zeitraum regelrecht potenzieren. Wir sehen daher in der neuen Praxis keinen zusätzlichen Informationsgewinn – ausser, dass die Öffentlichkeit nun genauer um die grossen Unwägbarkeiten weiss, die mit der zeitlichen Selbstbindung der Notenbank verbunden sind.

Erwartungen der FOMC-Mitglieder zum Zeit-punkt der ersten Leitzinserhöhung

Quelle: Federal Reserve Board

Als weitere Neuerung gab die Fed eine Mitteilung heraus, in der sie die Ziele der Geldpolitik konkretisierte. Demnach wird nun als langfristiges Ziel für die Inflationsrate (gemessen am PCE-Deflator) ein Wert von 2,0 % angegeben – die Notenbank hat sich damit endlich ein »echtes« Inflationsziel verordnet (und dabei den oberen Rand der bislang inoffiziellen Bandbreite von 1,7 % bis 2,0 % gewählt). Beim Vollbeschäftigungsziel – der zweiten Verpflichtung der Fed – nannten die Währungshüter dagegen keine feste Zielgrösse, da die sogenannte »natürliche« Arbeitslosenquote von vielen Faktoren abhängig sei, die von der Geldpolitik nicht beinflusst werden können. Entsprechend dienen hier als Ersatz die langfristigen FOMC-Projektionen zur Arbeitslosenquote, die vier­mal im Jahr aktualisiert werden.

In der Pressekonferenz liess Ben Bernanke darüber hinaus deutlich einen »easing bias« erkennen. So erwiderte er auf die Frage, warum in dem Fed-Statement die zuletzt besser ausgefallenen Wirtschaftdaten nicht erwähnt würden, die Notenbank sei noch nicht überzeugt, dass der Aufschwung schon in eine stärkere Phase eingetreten sei. Des Weiteren betonte er an anderen Stellen mehrmals, die Fed seit bereit, nötigenfalls zusätzliche expansive Massnahmen zu ergreifen, »wenn die Arbeitslosenquote weiterhin nur langsam sinke und es absehbar sei, dass die Inflationsrate mehrere Jahre unter dem Zielniveau bleibe«.

Genau dieses Szenario findet sich aber in den Makro-Projektionen, die die Notenbank gestern turnusgemäss aktualisierte. Wie in der Tabelle zu erkennen ist, liegen der derzeit erwartete Trend der Inflationsrate bis 2014 im Mittel unter dem Zielwert und die Arbeitslosenquote deutlich über dem langfristigen Ziel der Fed (das aktuell bei 5,2 % bis 6,0 % gesehen wird).

Aktuelle Makroprojektionen der Mitglieder des Offenmarktausschusses

Quelle: Federal Reserve Board

Vor diesem Hintergrund halten wir an unserer Einschätzung fest und sehen es als wahrscheinlich an, dass die Notenbank im Laufe des ersten Halbjahres 2012 ein weiteres Anleihenkaufprogramm startet. Dabei dürften Hypothekenpapiere im Vordergrund stehen, da die Fed in einer Belebung des Immobilienmarktes nach wie vor einen Schlüssel für einen stärkeren Aufschwung sieht.

 
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