Bantleon - Der Anleihemanager

Analyse

26. Januar 2012

Starke Konjunktursignale aus Deutschland

Das deutsche Geschäftsklima ist im Januar zum dritten Mal in Folge angestiegen und lieferte damit zugleich die dritte positive Überraschung nacheinander. Anders als von uns und dem Konsensus erwartet kam es nicht nur zu einem kleinen, sondern mit +1,0 Punkten zu einem vergleichsweise deutlichen Plus. Das Barometer steht nunmehr bei 108,3 Punkten. Kräftigen Rückenwind erzeugte dabei die Erwartungskomponente, deren Index gleich um 2,3 Punkte nach oben schnellte und mit 100,9 Punkten erstmals seit August 2011 wieder über der 100-Punkte-Schwelle liegt (Durchschnitt = 100,0 Punkte). Die Lageeinschätzung hat sich demgegenüber etwas verschlechtert. Mit 116,3 (nach 116,7) Punkten bewegt sich diese Komponente jedoch nach wie auf aussergewöhnlich hohem Niveau.

Sektoral gibt es einen wesentlichen Unterschied zu den letzten beiden Umfragen. Im November und Dezember waren es vor allem die nicht-zyklischen Branchen, die den Index beflügelten; das Geschäftsklima der Industrie stagnierte hingegen. Dieses Mal ist es genau umgekehrt. Der Teilindex der Industrie verbesserte sich am meisten (+4,5 Punkte). Die Geschäftserwartungen, die zwischenzeitlich deutlich in negatives Territorium abgerutscht waren, bewegen sich dabei mit grossen Schritten wieder auf die Nulllinie zu (Index: -2,0 nach -9,2 Punkten). Mit anderen Worten, die pessimistische Stimmung hat sich innerhalb des verarbeitenden Gewerbes weitgehend verflüchtigt (vgl. Abb.).

Abb.: Lebenszeichen von der deutschen Industrie

Quellen: IFO, Markit, Bantleon

Die positiven IFO-Ergebnisse werden von der Einkaufsmanagerumfrage flankiert. Hier kam es im Januar (laut erster Schätzung) ebenfalls zu überraschend deutlichen Zuwächsen. So kehrte der Industrieindex – nach dreimonatiger Abstinenz – wieder über die Expansionsschwelle zurück (50,9 nach 48,4 Punkten). Einen besonders mächtigen Satz machte die Outputkomponente (53,0 nach 49,4 Punkten, vgl. Abb.), die damit wieder klar auf Produktionszuwächse hindeutet. Hierzu korrespondiert, dass die Lagerbestände als zunehmend niedrig empfunden werden (44,7 nach 46,5 Punkten). 

Alles in allem gehen von der deutschen Wirtschaft nach einem Tief im 4. Quartal 2011 spürbare Wiederbelebungszeichen aus (vgl. Abb.). Wir hatten bereits seit Langem die Einschätzung vertreten, dass Deutschland – im Gegensatz zu anderen Euroländern – um die Jahreswende 2011/2012 nicht in die Rezession zurückfallen würde. Nunmehr steigt sogar die Chance, dass bereits im 1. Quartal 2012 ein erkennbarer BIP‑Zuwachs erzielt wird (ca. +0,3 % im Vergleich zu Q4).

Einmal mehr würde sich damit bewahrheiten, dass für Deutschland die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen (ausserhalb der Eurozone) wichtiger sind als die Geschehnisse in der Peripherie der Währungsunion – und vom globalen Umfeld gehen derzeit per saldo positive Impulse aus. So ist in den USA die Konjunkturdynamik seit einigen Monaten klar aufwärts gerichtet. In China hat das Wachstumstempo zwar nachgelassen, bewegt sich mit über 8,0 % aber nach wie vor auf hohem Niveau; ein abrupter Einbruch ist nicht in Sicht. Mehr noch, im 2. Halbjahr 2012 dürfte der Rückenwind aus Asien – als Folge der derzeit im Gang befindlichen geldpolitischen Lockerungen – sogar wieder an Fahrt aufnehmen. 

Dies bedeutet zugleich, dass die Wahrscheinlichkeit eines klassischen Aufschwungsszenarios für Deutschland zugenommen hat. Mithin sind in den nächsten Quartalen wieder annualisierte Wachstumsraten von 2,0 % und mehr möglich.

 

Dr. Daniel Hartmann

Senior Analyst Economics

 
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