Analyse |
25. August 2010 |
Als wäre der 2,2 %ige Wachstumssprung aus dem 2. Quartal 2010 nicht schon eindrücklich genug gewesen, setzte die IFO-Umfrage für August noch einen drauf. Gegen alle Prognosen (auch unsere eigenen) legte das wichtigste Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft weiter zu und erreichte mit 106,7 nach 106,2 Punkten einen neuen dreijährigen Höchststand (siehe Abbildung).
Wie in den Vormonaten war es vor allem die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage (108,2 nach 106,8), die sich für den Stimmungsschub verantwortlich zeichnete. Das spricht dafür, dass die Unternehmen sowohl mit den laufenden Produktionszahlen, als auch mit der Entwicklung ihrer Auftragsbestände überaus zufrieden sind.
Gleichfalls optimistisch — wenn auch nicht mehr ganz so euphorisch wie zuvor — fällt der Blick in die Zukunft aus. So befindet sich der Index der Geschäftserwartungen mit 105,2 Punkten zwar nach wie vor auf extrem hohem Niveau, musste aber gegenüber seinem 20-jährigen Höchststand vom Juli dieses Jahres 0,4 Zähler abgeben.
Dies dürfte das Ergebnis der schleichend zunehmenden Verunsicherung in den exportorientierten Branchen sein. Nach Angaben des IFO-Instituts haben sich die Erwatungen an das Auslandsgeschäft in den letzten beiden Monaten (gegen den Trend der meisten anderen Teilkomponenten) verschlechtert. In dieser Hinsicht bestätigt die IFO-Umfrage die Ergebnisse der am Montag veröffentlichten Befragung der Einkaufsmanager, die ebenfalls eine schwächere Auslandsnachfrage signalisierten (siehe Abbildung).
Quellen: Markit, Bantleon
Das verarbeitende Gewerbe — der Exportmotor der deutschen Wirtschaft — lässt sich hiervon allerdings noch nicht aus der Ruhe bringen. Die Unternehmen berichten von einer Verbesserung der Geschäftslage und planen sogar weitere Personalaufstockungen. Ganz abschütteln lässt sich der Gegenwind aus dem Ausland indes nicht, denn im gleichen Atemzug wurden die Aussichten für die kommenden sechs Monate einer leichten Abwärtskorrektur unterzogen.
Neben dem verarbeitenden Gewerbe glänzten auch der Gross- und Einzelhandel mit starken Stimmungswerten. Letztere bewerteten nicht nur die aktuelle Lage günstiger, auch die Zukunftsaussichten haben sich nochmals verbessert. Dies dürfte auf die gute Entwicklung am Arbeitsmarkt zurückzuführen sein, die zu steigenden Einkommen und daran anknüpfend stärkeren Konsumausgaben führen sollte.
Aus der Reihe tanzte einzig das Baugewerbe. Dort gaben sowohl die Lagebeurteilung als auch die Geschäftserwartungen nach — der von der öffentlichen Hand auf den Weg gebrachte Nachfrageimpuls verliert somit unverkennbar an Wirkung.
Fazit: Obschon die deutsche Wirtschaft im 2. Halbjahr nicht an das extreme Tempo der ersten Jahreshälfte anknüpfen wird, bleibt die Wachstumsdynamik atemberaubend. Wir erwarten für Q3 und Q4/2010 eine Zunahme der Wirtschaftsleistung von je 0,7 % — das ist mehr als das Doppelte der langfristigen Potentialrate (0,3 % pro Quartal).
Der Stimmungsaufschwung der deutschen Wirtschaft ist ungebrochen
Quellen: IFO, Bantleon