Bantleon - Der Anleihemanager

Analyse

22. Juni 2010

Die deutschen Unternehmen weiterhin in Hochstimmung

Die deutsche Wirtschaft gibt sich weiterhin äusserst optimistisch. Wie von uns erwartet, kletterte der IFO-Geschäftsklimaindex im Juni auf einen neuen zyklischen Höchststand von 101,8 Punkten. Der leichte Rücksetzer vom Vormonat (101,5 nach 101,7) wurde damit mehr als wettgemacht. Was viele befürchtet hatten (Konsensusschätzung für Juni: 101,2 Punkte) — dass bereits im Mai der Abwärtstrend eingeläutet wurde — trat somit nicht ein.

Bei den Komponenten der Umfrage hat sich indes mittlerweile eine klare Strukturverschiebung ergeben. Seit Februar ist eindeutig die aktuelle Lageeinschätzung die treibende Kraft. Auch im Juni verbuchte sie mit +1,7 Punkten ein deutliches Plus (101,1 nach 99,4 Punkten) und überschritt erstmals seit August 2008 die 100-Punkte-Marke. Bei der Erwartungskomponente scheint hingegen mittlerweile das Steigerungspotential ausgereizt. Sie fiel im laufenden Monat zum zweiten Mal in Folge (102,4 nach 103,7 Punkten) und stellt somit inzwischen den Bremsfaktor dar.

In sektoraler Hinsicht verzeichnete das Baugewerbe den grössten Anstieg (+3,3 Punkte). Hierin ist allerdings lediglich eine Gegenbewegung auf den kräftigen Rückgang vom Mai (-5,0 Punkte) zu sehen. Nach der Stimmungsbelebung zu Jahresbeginn weist diese Branche mittlerweile keinen klaren Trend mehr auf. Ähnliches gilt für den Einzelhandel, dessen Sentiment sich im April vorübergehend verbessert hat, seitdem jedoch wieder rückläufig ist. Der Einzelhandel ist dementsprechend der einzige Sektor, der im Juni ein Minus aufwies.

Über die Richtung im verarbeitenden Gewerbe besteht hingegen weiterhin kein Zweifel: Der Industrieindex verzeichnete im Juni seinen 15. Anstieg in Folge (10,5 nach 10,1 Punkte). Erstmals seit Langem kam es aber auch hier zu einem geteilten Ergebnis (vgl. Abbildung): Während die Erwartungen einen Rückschlag erlitten (nach 16 Anstiegen in den vergangenen 17 Monaten), setzte die Lagekomponente ihren steilen Aufwärtstrend fort. Ein Novum ist dabei, dass im laufenden Monat die Mehrzahl der Unternehmen ihre gegenwärtige Lage wieder positiv beurteilt, was letztmals im Oktober 2008 der Fall war. Dies ist umso bemerkenswerter, als bis vor Kurzem noch ein Grossteil der Industrie erst im Jahr 2012 wieder mit normal ausgelasteten Kapazitäten gerechnet hat.

Die Geschäftserwartungen am Wendepunkt, die Lageeinschätzung weiterhin im Aufwind

Quelle: IFO, Bantleon

Das jüngste Stimmungsbild des IFO-Barometers deckt sich eins zu eins mit unserer Konjunktureinschätzung. So ist der Auftrieb der Lagekomponente ein Spiegelbild des aktuell hohen Expansionstempos der Wirtschaft — im 2. Quartal dürfte das BIP nach unserer Prognose mit einer annualisierten Jahresrate von mindestens 5,0 % expandieren.

Zugleich deutet sich jedoch mit dem Rückgang in den Geschäftserwartungen eine nachlassende Dynamik für das 2. Halbjahr an. Wir sehen dementsprechend auch die Wahrscheinlichkeit als gross an, dass der IFO-Index im Juni seinen Hochpunkt erreicht hat. Der damit einhergehende Abwärtstrend in den kommenden Monaten sollte indes flach verlaufen. So wird die Lagekomponente weiter ein Stützungsfaktor bleiben. Daneben dürfte die von uns erwartete Entspannung der Eurokrise stabilisierend wirken.

 
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